Der Liberalismus leitet den Begriff des Eigentums aus dem Selbstbestimmungsrecht des einzelnen ab. Eigentum bedeutet, über sich selbst sowie seine legitim erworbenen materiellen und ideellen Güter souverän zu verfügen. Legitim erworben sind sie durch freiwilligen Tausch beziehungsweise Schenkung oder durch die Erstbenutzung freier Güter. Dieses auf John Locke (1690) zurückgehende Postulat macht erst eine klare Definition von Individualrechten möglich. Zudem legt es den Grundstein für eine erfolgreiche Wirtschaftsordnung. Ohne geschütztes Eigentumsrecht herrscht Verantwortungslosigkeit, weil "öffentliches" Eigentum die negativen Folgen von Handeln vergesellschaftet und die positiven für Privilegierte "privatisiert". Nicht ohne Grund meint der liberale Ökonom Ludwig von Mises 1927, dass der Begriff des Eigentums die liberale Wertordnung eigentlich bereits umfassend definiere.

Detmar Doering