Erhards schwerer Weg
Buch des FDP-Generalsekretärs Karl-Hermann Flach: Erhards schwerer Weg
Staatskapitalismus verhindert

Nicht ohne Tragik für den deutschen Liberalismus war dabei aber, dass sich Ludwig Erhard später nicht der FDP, sondern der CDU anschloss, in der es 1948 gegen ihn als Anhänger der so genannten "neoliberalen Wirtschaftsschule" noch erhebliche Widerstände gab. Dadurch wurde aber das deutsche " Wirtschaftswunder" vornehmlich den Christdemokraten gutgeschrieben, nicht aber den Liberalen, von denen wichtige Impulse dafür ausgegangen waren. Karl-Hermann Flach schrieb 1963: „Erhard ist ein Liberaler. Wenn er es verleugnen wollte, würde er sich selbst verleugnen.“

Schon in dieser Zeit wurde deutlich, dass die FDP keineswegs die „Unternehmerpartei“ ist, für die sie bis heute oft gehalten wird. Schon auf dem Bundesparteitag im September 1951 bekannte sich die Partei zu einer „sozial verpflichteten Marktwirtschaft“ als der „Wirtschaftsform des freien Wettbewerbs und der verantwortungsbewussten Unternehmerinitiative“, die in der „Verpflichtung des Einzelnen gegenüber der Gesamtheit, d.h. vor allem Schutz des Verbrauchers gegen Missbrauch der Marktwirtschaft“ ihre Grenzen findet. Darüber hinaus forderten die Liberalen gesicherte Eigentums- und Rechtsverhältnisse, Entscheidungsfreiheit des Unternehmers über die Produktion, weitgehende Selbstverwaltung der Wirtschaft und stärkste Beschränkung der Eingriffsmöglichkeiten des Staates. Das Wahlprogramm 1953 enthielt den Satz, dass „Wohlstand für alle“ nur durch die „auf Freiheit der Person, dem Privateigentum und dem lauteren Leistungswettbewerb“ möglich sei. Dieser wirtschaftspolitische Kurs setzte sich im Verlauf der 1950er und 1960er Jahre immer wieder durch.

Das Schicksal der jungen Regierungskoalition aus CDU und FDP hing Anfang der 50er Jahre weitgehend davon ab, ob es ihr gelingen würde, die infolge des Krieges ungeheuren wirtschaftlichen Probleme in den Griff zu bekommen. Dank der sozialen Marktwirtschaft gelang es. Die Industrieproduktion, die Ende 1949 wieder den Stand von 1936 erreicht hatte, wuchs bis Mitte 1953 um 60 Prozent. Dadurch konnte die Zahl der Arbeitsplätze erheblich gesteigert und die Arbeitslosenrate von über 10 Prozent (1949/50) auf 5,5 Prozent (Sommer 1953) halbiert werden. In der gleichen Zeit stiegen nun auch die Löhne schneller als die Preise, so dass am Wirtschaftsaufschwung auch immer größere Teile der Bevölkerung partizipierten.

Thomas Dehler
Thomas Dehler
Mittlerweile vergessen wird, dass Bundeskanzler Adenauer immer wieder auf den Pfad der „marktwirtschaftlichen Tugend“ zurückgeführt werden musste. Der FDP-Bundesvorsitzende Thomas Dehler formulierte es auf dem 5. Bundesparteitag 1954 in Wiesbaden so: „Es gibt als organische, als lebendige, als schöpferische Wirtschaft nur die liberale Wirtschaft, und nur sie ist in der Lage, höchst soziale Leistung zu erringen.“

In ihrem Berliner Programm und im Aktionsprogramm zur Bundestagswahl 1957 wandte sich die FDP gegen den „Staatskapitalismus der CDU/CSU und gegen sozialistische Experimente der SPD, die beide die Währung gefährden“. Das liberale Gegenrezept mutet auch heute noch aktuell an: „Eigentum für Jedermann, Sicherung der breiten Mittelschicht und der Wertbeständigkeit ihrer Ersparnisse, weitgehende Überführung staatlicher Wirtschaftsbetriebe in privaten Kleinbesitz“.


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