Tolerantes Zusammenleben wird selbstverständlich
Gleiche Lebenschancen auch für Migranten

Deutschland ist in den vergangenen Jahrzehnten in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens liberaler geworden. Oftmals hatten die Liberalen dabei eine Vorreiterrolle inne, wenn es darum ging, das Leben gleichberechtigt und ohne Diskriminierungen zu gestalten.

Zwischen 1955 und 1973 fehlten Arbeitskräfte in der Bundesrepublik Deutschland. Viele Menschen, die in südeuropäischen Ländern angeworben wurden, kamen als „Gastarbeiter“ in die Bundesrepublik. Gerufen wurden Arbeitskräfte – und es kamen Menschen. 1978 lebten schon über eine Million Kinder von ausländischen Arbeitnehmern in der Bundesrepublik. Diese jungen Leute, denen die Heimat ihrer Väter fremd geworden war, konnten sich aber auch hierzulande nicht heimisch fühlen: Zum Teil isoliert, mit wenigen Deutschkenntnissen, mit wenig Chancen auf einen Arbeitsplatz.

Die Liberalen setzten sich dafür ein, die „faktische Einwanderung“ anzuerkennen und nicht mehr davon auszugehen, dass die Migranten in ihre Heimatländer zurückkehren. Vorrangiges Ziel war es, den in Deutschland lebenden Ausländern gleiche Lebenschancen einzuräumen.

Liselotte Funcke
Liselotte Funcke
1981 übernahm Liselotte Funcke für die Bundesregierung das Amt der Ausländerbeauftragten, das zwei Jahre zuvor geschaffen worden war. Die Programme, die sie vorschlug, zeugen von Verständnis für die Probleme der Migranten: Sprachkurse für Frauen im Vormittagsprogramm des Rundfunks, Kontakte von Frauengruppen zu Ausländerinnen, die nie wagen würden, eine gemischte Veranstaltung zu besuchen, stärkere Kontrolle der Schulverwaltung bei Abwesenheit von Mädchen, die daheim jüngere Geschwister betreuen oder die erwerbstätige Mutter im Haushalt ersetzen. „Hier ist in den vergangenen Jahren viel versäumt worden“, stellte Liselotte Funcke Anfang der 1980er Jahre fest.

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