Wolfgang Natonek
Als Sohn eines jüdischen Schriftstellers musste der in Leipzig geborene Wolfgang Natonek schon durch die Nationalsozialisten schwere Schikanen erdulden. Dadurch war ihm erst nach dem Krieg die Aufnahme eines Anglistik- und Geschichtsstudiums möglich.

Dem politischen Vorbild seines 1933 emigrierten Vaters folgend, schloss sich Natonek 1946 der LDP(D) an und trat für diese vor allem in der Hochschulpolitik auf. Hierbei wurde er auf lokaler und zonaler Ebene zu einem großen Gegenspieler der SED, vor allem als ihn die Leipziger Studenten 1947 zum Studentenratsvorsitzenden wählten. Trotz heftigen Drucks von Seiten der SED verteidigte er dieses Amt auch bei den folgenden Universitätswahlen. Seine große Popularität ließ ihn auch auf dem sächsischen LDP(D)-Parteitag 1947 das bei weitem beste Ergebnis aller Vorstandsmitglieder erzielen.

Über die sowjetische Zone hinaus bekannt wurde Natonek durch seine Rede auf dem Eisenacher Studententreffen Pfingsten 1948, doch auch diese Bekanntheit schützte ihn nicht vor der Verhaftung im November 1948 und der Verurteilung zu 25 Jahren Zwangsarbeit. 1956 entlassen, siedelte Natonek sofort in die Bundesrepublik über, wo er sein Studium beendete, sich aber zunächst nicht mehr politisch betätigte. Erst nach seiner Pensionierung trat er in die FDP ein und engagierte sich kommunalpolitisch.

Wegen seines mutigen Widerstandes ernannte ihn die 1990 neu gegründete liberale Jugendorganisation in der DDR zu ihrem Vorsitzenden und die Friedrich-Naumann-Stiftung taufte 1996 ihre erste Bildungsstätte in den neuen Bundesländern auf seinen Namen. Ganz ähnlich wie Arno Esch symbolisiert auch Natonek das mutige, aber riskante Engagement für Freiheit und Demokratie von vielen Liberaldemokraten in den Anfängen der DDR, das von der SED und Sowjets nur gewaltsam unterdrückt werden konnte.