Liselotte Funcke
Die aus Hagen stammende Tochter eines bereits in der Weimarer Republik politisch aktiven liberalen Fabrikanten und späteren FDP-Bundestagsabgeordneten legte 1941 nach Abitur und Studium der Betriebswirtschaftslehre das Examen als Diplom-Kauffrau ab. Ein Vierteljahrhundert arbeitete sie als Abteilungsleiterin und Prokuristin in der bereits vom Urgroßvater gegründeten Schraubenfabrik.

Liselotte Funcke gehörte von 1947 bis 1981 - mit kurzer Unterbrechung - dem nordrhein-westfälischen Landesvorstand an und ab 1964 dem Bundesvorstand der FDP. 1968 wurde sie ins Parteipräsidium gewählt und war von 1977 bis 1982 stellvertretende Bundesvorsitzende. Seit 1950saß sie im Düsseldorfer Landtag, bis sie 1961 in den Deutschen Bundestag gewählt wurde, dem sie bis 1979 angehörte. 1969 wurde sie Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und war dadurch als erste Frau im Fraktionsvorstand vertreten. Zugleich leitete sie sieben Jahre lang den Finanzausschuss des Bundestages. Die Steuergesetze der sozial-liberalen Ära hat sie maßgeblich mit geprägt.

Während der Studentenunruhen 1968 versuchte sie als eine der wenigen Bonner Spitzenpolitiker vermittelnd und verstehend einzugreifen. Ende 1979 wurde sie Wirtschafts- und Verkehrsministerin in Nordrhein-Westfalen, doch endete dieses Amt wenige Monate später, weil die FDP bei den Landtagswahlen knapp an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte. Liselotte Funcke wurde dann Ausländerbeauftragte der Bundesregierung und behielt diesen ehrenamtlichen Auftrag bis 1991. Sie verstand sich als Dolmetscherin zwischen Deutschen und Ausländern. Dabei ging es ihr um eine verständige Ausländerpolitik, die Anerkennung und Regelung der faktischen Einwanderung und die Förderung der Integration, doch fand sie wenig Resonanz bei den Politikern.

Während der ganzen Zeit ihres politischen Wirkens bemühte sich Liselotte Funcke um die Verwirklichng gleicher Rechte und Chancen für Frauen und um die Verbesserung der Kontakte zwischen der FDP und den Kirchen. Noch heute ist sie publizitisch tätig.