Foto Hermann Becker
Der im Jahre 1905 in Plauen geborene Becker arbeitete nach seinem Studium der Volkswirtschaft und Philosophie als Bankkaufmann in Erfurt. Politisch engagierte er sich von 1933 an zunächst bei den Jungsozialisten und war später Mitglied der Radikaldemokratischen Partei, für die er bei den Reichstagswahlen 1932 in einer Listenverbindung mit der SPD kandidierte.

Seit 1943 leistete er Kriegsdienst. Nach Kriegsende gehörte er zu den Gründungsmitgliedern eines antifaschistischen Komitees in Erfurt. Eine von ihm ins Leben gerufene linksdemokratische Bewegung, die er im Sinne einer volksdemokratischen, parteiübergreifenden Sammlungsbewegung gegründet hatte, ging schließlich im Juli 1945 in der neu gegründeten LDP(D) auf, für die Becker in den thüringischen Landtag einzog.

Als Fraktionssprecher forderte er nicht nur eine größere Beteiligung an der politischen Aufbauarbeit, sondern setzte sich gegen die in der sowjetisch besetzten Zone zunehmenden Repressionen gegen die bestehende Wirtschafts- und Eigentumsstruktur und für die Wahrung rechtsstaatlicher Grundsätze ein. Der zunehmende Widerstand von Liberaldemokraten hatte schließlich massive Eingriffe der sowjetischen Besatzungsmacht, zur Folge, denen u.a. der Chefredakteur der demokratischen, von Hermann Becker herausgegebenen "Thüringischen Landeszeitung" zum Opfer fiel.

Ungeachtet starker Drohungen nahm Becker im Juli 1948 seine Wahl als zweiter Stellvertretender Landesvorsitzender an, bevor er selbst kurz darauf nach einer Landtagssitzung vom sowjetischen Geheimdienst festgenommen wurde. Die Verhaftung eines derart prominenten Vertreters der LDPD hatte fatale Auswirkungen auf die weitere Entwicklung der Partei und führte zu einer weitreichenden Lähmung ihrer Mitglieder.

Becker selbst wurde wegen des Vorwurfs des Widerstandes, der Spionage und Verbreitung antisowjetischer Propaganda ohne ordentliches Verfahren zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Nach einer vierjährigen Haftzeit in einem Lager in Workuta und insgesamt siebenjähriger Verschleppung kam er 1955 frei und wurde nach West-Berlin entlassen, wo er 1981 starb.