Ralf Lord Dahrendorf (Foto: J.H. Darchinger)
Lord Ralf Dahrendorf wurde in Hamburg als Sohn eines sozialdemokratischen Redakteurs geboren, studierte in Hamburg sowie London Philosophie und Soziologie. Nach der Habilitation erhielt er 1958 eine Professur für Soziologie in Hamburg, später lehrte er in Tübingen und Konstanz.

Mit seinem Werk "Gesellschaft und Demokratie in Deutschland" (1965) profilierte er sich, obwohl zunächst sozialdemokratisch sozialisiert, als Vordenker eines modernen Liberalismus. 1967 trat er in die FDP ein, für die er bereits 1968 in den baden-württembergischen Landtag gewählt wurde. Aufsehen erregte seine öffentliche Diskussion mit Rudi Dutschke am Rande des Freiburger Parteitages der FDP 1968, bei welchem er auch in den FDP-Vorstand gewählt wurde.

Weitere Stationen seiner politischen Karriere waren die Posten eines Staatssekretärs im Auswärtigen Amt (1969/70) und eines EG-Kommissars (1970 bis 1974). Recht überraschend wechselte Dahrendorf 1974 als Direktor zur London School of Economics. Nach der "Wende" von 1982 engagierte er sich wieder in der deutschen Politik, u. a. als Vorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung (1982 bis 1987). Danach siedelte er nach Großbritannien über, trat dort den Liberal Democrats bei und wurde für ein Jahrzehnt Warden des St. Antony's College in Oxford. Als solcher wurde er 1993 von der britischen Königin geadelt und gehört seither dem englischen Oberhaus an.

Während Dahrendorf zunächst als Experte und Vordenker in Fragen der Bildungs- und Europapolitik galt, gehört er heute vor allem auf Grund seiner Veröffentlichungen zu den Grundlagen einer liberalen Civic Society zu den bedeutendsten Theoretikern des Liberalismus und verfügt als solcher über weltweite Anerkennung.

Er starb am 17. Juni 2009 in Köln.