1927 wurde Ignatz Bubis in Breslau geboren. 1935 floh die Familie vor den beginnenden antijüdischen Übergriffen der Nationalsozialisten nach Deblin, wo er nach dem Einmarsch der Deutschen 1939 in Polen aufgrund seiner jüdischen Herkunft die Schule verlassen musste. Im Jahr darauf wurde er in das Debliner Ghetto verbracht. Während der Vater und zwei seiner fünf Geschwister im Konzentrationslager ermordet wurden, überlebte Bubis bis zur Befreiung durch die Rote Armee im Januar 1945 in einem Arbeitslager des Konzentrationslagers Tschenstochau.
Trotz des Schicksals seiner Familie entschied sich Bubis für eine Rückkehr nach Deutschland. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich zunächst mit Tauschgeschäften, pendelte zwischen Dresden und Berlin und siedelte 1949 nach Westdeutschland über. Seit 1950 lebte er in Stuttgart und Pforzheim und war im Edelmetallhandel tätig. 1956 ließ er sich in Frankfurt/M. nieder, wo er sich erfolgreich im Immobiliengeschäft betätigte.
1965 kandidierte er erstmals für den Gemeinderat der dortigen Jüdischen Gemeinde, zwei Jahre später wurde er deren Vorstandsmitglied. 1969 trat Bubis in die FDP ein, wurde im Frankfurter Kreisverband sowie auf Landesebene aktiv und engagierte sich insbesondere seit Mitte der 1970er Jahre verstärkt in der Partei. Gleichzeitig übernahm Bubis verstärkt verantwortliche Funktionen in der Frankfurter Jüdischen Gemeinde, wurde deren Vorstandsvorsitzender und 1978 in das Direktorium des Zentralrates der Juden delegiert. 1989 folgte die Wahl zum stellvertretenden Vorsitzenden und drei Jahre später zum Vorsitzender des Zentralrates und damit ranghöchsten Repräsentanten der Juden in Deutschland.
Ebenso wurde Bubis Mitglied des Vorstandes des jüdischen Weltkongresses und sechs Jahre später Präsident des European Jewish Congress. 1997 bestätigte man ihn als Vorsitzender des Zentralrates. Im selben Jahr trat er als Spitzenkandidat der FDP bei den hessischen Kommunalwahlen an. Seinem Einsatz verdankte die Partei nach 16 Jahren die Rückkehr in den Frankfurter Stadtrat. Im August 1999 starb Bubis nach schwerer Krankheit in Frankfurt/M.
Ungeachtet der Tatsache, dass er als Person und Unternehmer nicht unumstritten war, galt er als Mann des Ausgleichs und verschaffte nicht zuletzt dank seiner Medienpräsenz eine neue Öffentlichkeit für die jüdischen Belange in Deutschland. Sein Selbstverständnis als "deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ wurde in den letzten Lebensjahren durch anwachsende, antisemitische und fremdenfeindliche Ausschreitungen von ihm selbst zunehmend in Frage gestellt. Sein Verdienst bleibt es, das Deutschlandbild nicht nur in Israel verbessert, sondern auch durch sein Beispiel dazu beigetragen zu haben, die deutsche historische Verantwortung anzumahnen und das Vergessen zu verhindern.


zurück
drucken