Hans Loch
Nach Abitur und anschließendem Kriegseinsatz begann der gebürtige Kölner Hans Loch 1918 das Studium der Rechtswissenschaften, das er 1923 mit der Promotion beendete. Bereits 1919 schloss er sich der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) an, der er bis 1924 angehörte. Im Anschluss an seinen Referendardienst in Koblenz und Köln war Loch seit 1925 als Justitiar und Steuersyndikus tätig.

Aufgrund der Tatsache, dass Loch eine Bürogemeinschaft mit einem jüdischen Anwalt unterhielt, wurde er 1933 entlassen; er verließ Deutschland und ging in die Niederlanden. 1936 zurückgekehrt, arbeitete Loch als Syndikus verschiedener Wirtschaftsunternehmen. Während des Zweiten Weltkrieges war er Soldat.

1945 gehörte Loch zu den Mitbegründern der LDP(D) im Kreis Gotha. Von 1946 an übernahm er zwei Jahre lang das Amt des Oberbürgermeisters der Stadt Gotha. Seit 1946 Mitglied des Landtages in Thüringen, wurde er 1948 zum Nachfolger des liberalen thüringischen Justizministers Helmut R. Külz - dem Sohn von Hermann Külz - ernannt, der sein Amt wegen grundsätzlicher Meinungsverschiedenheiten mit der Sowjetischen Militäradministration aufgab. Bei der Gründung der DDR übernahm Loch das Finanzministerium, das er bis 1955 leitete.

1949 für zwei Jahre zum Parteiführer des LDPD-Landesverbandes Thüringen gewählt, wurde er im selben Jahr stellvertretender Parteivorsitzender der LDPD und übernahm seit 1951 als Nachfolger von Hermann Kastner zusammen mit Karl Hamann den paritätischen Vorsitz der Partei. Nach dessen Verhaftung 1952 fiel schließlich der alleinige Parteivorsitz an ihn.

Innerhalb der sowjetisch besetzten Zone/DDR bekleidete Loch von 1948 an weitere öffentliche Ämter, u. a. in der deutschen Wirtschaftskommission, im Nationalrat der Nationalen Front und im Präsidium des Deutschen Friedensrates. Von 1950 bis 1960 war er Stellvertretender Vorsitzender des Ministerrates der DDR. Trotz schwerer Erkrankung 1960 als LDPD-Vorsitzender „wiedergewählt“, starb Loch noch im gleichen Jahr in Berlin. Er gilt als ein typisches Beispiel für die anpassungsbereiten Mitglieder in der Frühzeit der LDPD, die aus Karriereerwägungen auf die SED setzten.