Hermann Kastner
Hermann Kastner wurde in Berlin geboren und studierte Jura und Volkswirtschaft. Nach Referendarexamen und Promotion begann er 1908 seinen Justizdienst in der Berliner Stadt- bzw. Magistratsverwaltung. Nach Ablegen des Assessorexamens wurde er 1917 an die Leopold-Akademie Lippe-Detmold berufen, an der er Vorlesungen über Verwaltungs- und Staatsrecht hielt.

Im Jahre 1918 trat er der DDP bei, 1919 zog er als Syndikus der sächsischen Wirtschaftsverbände nach Dresden. Er wurde Vorsitzender der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) Ostsachsen und war von 1922 bis 1933 Mitglied des Sächsischen Landtags. Während der Zeit des Nationalsozialismus stand Kastner in Verbindung mit Widerstandskreisen und geriet wiederholt in Haft. 1945 war er einer der Mitbegründer und bis 1947 Vorsitzender des LDP(D)-Landesverbands Sachsen, zeitweilig auch Vizepräsident des Sächsischen Landtags.

1946 wurde Kastner Minister der Justiz in Sachsen und amtierte gleichzeitig als stellvertretender Ministerpräsident. Noch unter dem Parteivorsitz von Wilhelm Külz 1947 zum stellvertretenden LDP(D)-Vorsitzenden gewählt, stand er seit Februar 1949 zusammen mit Karl Hamann an der Spitze der LDP(D). In dieser Zeit beteiligte sich die Partei an der Ausarbeitung der Verfassung und der Gründung der DDR, teilweise in der Hoffnung, durch Kooperation eine "zumindest modifizierende Wirkung" auf die Verfassungskonstitution ausüben zu können.

Kastner fungierte seit 1948 als stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Wirtschaftskommission und nahm ein Jahr später am Deutschen Volksrat teil. In der ersten DDR-Regierung unter Otto Grotewohl amtierte Kastner als stellvertretender Ministerpräsident. Dies Amt verlor er ebenso wie den Parteivorsitz Mitte 1950 wegen seiner ablehnenden Haltung gegen die Einführung von Einheitslisten für die Wahlen zur Volkskammer im Herbst 1950, außerdem wurde er aus der Partei ausgeschlossen.

Obwohl bereits 1951 "rehabilitiert", blieb Kastner künftig parteipolitisch eher im Hintergrund und widmete sich vorrangig der Funktion als Vorsitzender des "Ausschusses zur Förderung der Intelligenz". Aufgrund seiner guten Beziehungen zur Sowjetunion hoffte er im Umfeld des 17. Junis 1953 vergeblich auf ein politisches Comeback. 1956 floh er nach langjähriger Tätigkeit für die „Organisation Gehlen" bzw. den Bundesnachrichtendienst nach Westdeutschland, wo er im September 1957 in München starb.