Karl Hamann
Karl Hamann wurde in Hildesheim geboren, studierte in Hohenheim, Bonn und Berlin Agrarwissenschaften und ließ sich nach der Promotion 1933 und verschiedenen Geschäftsführertätigkeiten 1935 in der Nähe vom thüringischen Hildburghausen als Landwirt nieder.

Obwohl vor 1933 Sozialdemokrat, schloss er sich 1946 der LDP(D) an und wurde für diese Mitglied des Landtags. 1948 wählte man ihn zum thüringischen Landesvorsitzenden, der allerdings die Ausschaltung der politischen Selbstständigkeit seines Verbandes durch die SED nicht verhindern konnte.

Seit Anfang 1949 stand er als Nachfolger von Wilhelm Külz an der Spitze der LDP(D), zunächst gemeinsam mit Hermann Kastner , dann zusammen mit Hans Loch . Als Spitzenvertreter seiner Partei wurde Hamann in der ersten Regierung der DDR Minister für Handel und Versorgung und stand damit vor Aufgaben, die unter den gegeben Umständen nicht zu lösen waren. Gegen die Einrichtung der Einheitslistenwahl 1950 und die Proklamation des "Aufbaus des Sozialismus" in der DDR 1952 leistete er zunächst keinen offenen Widerstand. Wie andere in der LDP(D) setzte er seine ganzen Hoffnungen auf eine baldige Wiedervereinigung, durch die die antidemokratischen und illiberalen Maßnahmen der Kommunisten wieder rückgängig gemacht werden sollten.

Folgerichtig startete Hamann mehrere Vorstöße für gesamtdeutsche Initiativen, die jedoch erfolglos blieben, während seine Partei in der DDR selbst immer mehr gleichgeschaltet wurde. Dennoch galt Hamann, der in der LDP(D) im Gegensatz zu seinen Vorstandskollegen über viel Rückhalt verfügte, der SED als ein Unsicherheitsfaktor und wurde 1952 wegen angeblicher "Sabotage der Versorgung" verhaftet. In einem Geheimprozess wurde Hamann zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt, kam aber im Zuge des "Tauwetters" 1956 frei und siedelte kurz darauf in den Westen über, ohne hier nochmals politisch aktiv zu werden.

Heute gilt Hamann als einer der letzten LDP(D)-Politiker vor dem Ende der DDR, die sich um eine gewisse Unabhängigkeit von der SED bemühten; seine Verhaftung wird mit dem Ende der liberaldemokratischen Eigenständigkeit insgesamt gleichgesetzt. Zum Zeichen seiner nachträglichen Rehabilitierung wurde 1991 die liberale Landesstiftung in Brandenburg nach Karl Hamann benannt.