Waldemar Koch
Der gebürtige Hamburger Waldemar Koch studierte nach einem Volontariat bei einer Schiffsbaugesellschaft und dem Militärdienst zunächst an der Berliner TH Industrielles Verwaltungswesen. Im Anschluss an sein Examen als Diplom-Ingenieur war er für zwei Jahre Mitarbeiter der AEG und absolvierte zugleich ein Volkswirtschaftsstudium, das er 1907 mit der Promotion abschloss.

Anschließend begab er sich für mehrere Jahre auf eine Studienreise, die ihn in die USA, nach China und Russland führte und in deren Folge er eine weitere Promotion in Ingenieurwissenschaften anschloss. Von 1910 bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges war er Direktor eines AEG-Betriebes in London und leistete 1914/15 Kriegsdienst. Danach war er bis 1918 als Abteilungsleiter, später stellvertretender Direktor am Institut für Seeverkehr und Weltwirtschaft der Universität Kiel tätig.

Mit Kriegsende wandte er sich der Politik zu, trat 1918 der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) bei und war 1918/19 Vorsitzender des Bürgerausschusses von Groß-Berlin. Zwischen 1919 und 1930 war er als leitender Mitarbeiter in verschiedenen Wirtschaftsunternehmen beschäftigt, habilitierte anschließend im Fach Betriebswirtschaft an der TH Berlin und arbeitete bis 1945 freiberuflich als Wirtschaftsprüfer. 1934 wurde ihm für einige Wochen seine Lehrbefugnis als Privatdozent entzogen, nachdem er in seiner Funktion als Wirtschaftsprüfer die Interessen eines jüdischen Unternehmers gegen nationalsozialistische Arisierungsbestrebungen vertreten hatte. 1942/43 nahm er einen Lehrauftrag an der Universität Halle an.

Mit Wilhelm Külz und seinem Schwiegervater Eugen Schiffer gehörte Koch 1945 zu den Initiatoren der Gründung der LDP(D) in Berlin und wurde deren erster Vorsitzender. Aufgrund seiner offenen Ablehnung der Bodenreform gab er auf Druck der sowjetischen Besatzungsbehörden im November 1945 seinen Parteivorsitz an Wilhelm Külz ab. Sein offizieller Parteiausschluss erfolgte 1948. Danach siedelte er nach West-Berlin über und wurde dort Mitglied der FDP.

Von 1949 bis 1953 war Koch Ordinarius für Betriebswirtschaftslehre an der TU Berlin und erhielt 1955 von der Nürnberger Hochschule für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften den Ehrendoktortitel verliehen. 1956 trat er wegen der Gespräche von Garmisch und Weimar zwischen der LDPD und der FDP aus der FDP aus.