Otto Graf Lambsdorff
Otto Graf Lambsdorff stammt aus einem westfälisch-baltischen Adelsgeschlecht. 1944/45 leistete er Kriegsdienst und studierte nach dem Abitur 1946 in Bonn und Köln Rechtswissenschaft. Seit 1951 Mitglied der FDP, ging er 1955 zunächst ins Bank-, 1971 dann ins Versicherungsgewerbe. In der FDP war er seit 1968 nordrhein-westfälischer Landesschatzmeister, später dann Mitglied im Bundesvorstand (1972) und im Parteipräsidium (1982).

Im Bundestag, in den Lambsdorff 1972 erstmals einzog, profilierte er sich rasch als wirtschaftspolitischer Sprecher der Fraktion, so dass diese ihn 1977 als Nachfolger von Hans Friderichs für das Amt des Bundeswirtschaftsministers nominierte. Hierbei suchte Lambsdorff die durch die zweite Ölpreiskrise ausgelöste Rezession durch eine betont liberale Wirtschaftspolitik zu überwinden, was Spannungen mit dem sozialdemokratischen Koalitionspartner zur Folge hatte.

Schließlich führte sein mittelfristiges wirtschaftspolitisches Konzept, niedergelegt u. a. im sog. "Lambsdorff-Papier" vom September 1982, zum endgültigen Bruch mit der SPD und zur "Wende", bei der die FDP eine Koalition mit der CDU einging. Die Richtigkeit von Lambsdorffs Konzept sollte sich im Wirtschaftsaufschwung seit Mitte der 1980er Jahre erweisen, den er aber nicht mehr als Wirtschaftsminister erleben konnte, da er infolge der sog. "Flick-Affäre" Mitte 1984 zurückgetreten war.

Als Verfechter einer strikten Marktwirtschaft blieb Lambsdorff trotzdem in der Partei populär und konnte sich so 1988 als Nachfolger von Martin Bangemann bei der Neuwahl des FDP-Vorsitzenden durchsetzen. Unter ihm kam im August 1990 der Zusammenschluss der FDP mit der LDPD und anderen liberalen Gruppierungen in der DDR zustande, und die FDP erreichte nach der Wiedervereinigung eines ihrer besten Wahlergebnisse. Bereits zu diesem Zeitpunkt forderte er als einer der ersten eine Abkehr von der bisherigen Umverteilungspolitik und die Rückkehr zu mehr marktwirtschaftlichen Prinzipien und Grundsätzen, was später auch die Wiesbadener Grundsätze der FDP bestimmen sollte.

1993 gab Lambsdorff den Parteivorsitz an Klaus Kinkel ab, blieb aber weiterhin bis 1998 Mitglied des Bundestages und bis 1996 wirtschaftspolitischer Sprecher der Fraktion. Seit 1993 war er FDP-Ehrenvorsitzender. Von 1995 bis 2006 stand er an der Spitze der Friedrich-Naumann-Stiftung, in der er u.a. einen neoliberalen Think-tank einrichtete.

1999 wurde er von der Regierung Schröder im Zusammenhang mit den Verhandlungen um Art und Höhe der Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter zum Bundesbeauftragten des Bundeskanzlers für die Stiftungsinitiative deutscher Unternehmen ernannt. 2001 führte er die schwierigen Verhandlungen mit der US-Regierung, der deutschen Wirtschaft und Anwälten der NS-Zwangsarbeiter zu einem erfolgreichen Ende.

Zusammen mit Hans-Dietrich Genscher galt Lambsdorff als Architekt der "Wende" von 1982 und der damit verbundenen Rückbesinnung auf eine mehr marktwirtschaftliche Politik. Als rigoroser und durchaus eigenwilliger Verfechter liberaler Prinzipien hat Lambsdorff weit über alle Parteigrenzen hinaus großes Ansehen genossen. Er starb am 5. Dezember 2009 in Bonn.

- Konzept für eine Politik zur Überwindung der
               Wachstumsschwäche (1982)