Hans-Dietrich Genscher
(*1927), Jurist und Politiker
Hans-Dietrich Genscher wurde in Reideburg bei Halle/S. geboren und studierte nach kurzem Einsatz bei der Wehrmacht Jura. Schon als Student engagierte er sich bei der LDP(D), floh dann aber infolge der Repressionen gegen diese Partei 1952 in den Westen.
Nach einigen Jahren Anwaltstätigkeit wurde er von Thomas Dehler als Mitarbeiter für die FDP-Bundestagsfraktion gewonnen. Von 1962 bis 1964 leitete er als Nachfolger von Karl Hermann Flach die FDP-Bundesgeschäftsstelle, ehe er 1965 selbst in den Bundestag gewählt wurde, dem er bis 1998 angehörte. 1968 wurde Genscher stellvertretender Bundesvorsitzender und ein Jahr später bei Beginn der sozial-liberalen Koalition Bundesinnenminister. In seine Amtszeit fielen einerseits die Bedrohung durch den Terrorismus und der Ausbau von Fahndungsapparat und -methoden sowie andererseits der Beginn des staatlichen Umweltschutzes.
Nach der Wahl von Walter Scheel zum Bundespräsidenten folgte ihm Genscher sowohl als Außenminister als auch als FDP-Vorsitzender. Außenpolitisch führte er die Entspannungspolitik seines Vorgängers fort und hielt daran auch nach der Wende von 1982 fest, trotz des Wechsels im Kanzleramt. Als FDP-Vorsitzender wird mit Genscher vor allem die Vorbereitung und Durchführung dieser Wende verbunden; erstmals wechselte die FDP unter seiner Führung mitten in der Legislaturperiode aus außenpolitischen (Nato-Doppelbeschluss) und wirtschaftspolitischen Gründen (zweite Ölpreiskrise) den Koalitionspartner und sorgte damit maßgeblich für den Wechsel an der Spitze der Regierung von Helmut Schmidt (SPD) zu Helmut Kohl (CDU).
Obwohl Genscher mit diesem Manöver zunächst erheblich an Prestige verlor (Rückgang der FDP bei den Bundestagswahlen 1983 um mehr als 3 Prozent im Vergleich zu 1980), erholte sich die Partei insbesondere aufgrund des außenpolitischen Kurses von Genscher danach wieder (2 Prozent Plus bei der Bundestagswahl 1987). Genscher wurde seit Mitte der 80er Jahre für lange Zeit zum populärsten deutschen Politiker. Vornehmlich sein Vertrauen in die Reformpolitik von Michael Gorbatschow sowie sein Bemühen um Ost-West-Entspannung bereiteten den Boden für die große weltpolitische Zäsur von 1989/90. Dies und sein entscheidendes Mitwirken am außenpolitischen Absichern der deutschen Wiedervereinigung (2 + 4 Vertrag 1990) bescherten der FDP, deren Vorsitz er bereits 1985 an Martin Bangemann abgegeben hatte, bei der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl 1990 das zweitbeste Ergebnis seit 1949, wobei in Halle der FDP-Kandidat ein Direktmandat gewann.
Nach seinem für viele überraschenden Rücktritt als Außenminister im Mai 1992 wurde Genscher mit der Verleihung des FDP-Ehrenvorsitzes geehrt. 1994/95 übernahm er eine Honorarprofessur im Fachbereich Politische Wissenschaften an der FU Berlin. Bereits seit 1998 beschäftigte sich Genscher mit der politischen und medienpolitischen Beratung, Information und Analyse in internationalen, europäischen und außenwirtschaftlichen Fragen und ist seit 2000 Geschäftsführender Gesellschafter der Hans-Dietrich Genscher Consult GmbH. 1999 nahm er seine anwaltliche Tätigkeit wieder auf. Von 2001 bis 2003 war er darüber hinaus Präsident der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik.
Mit seinem Namen verbinden sich in erster Linie große Verdienste um die Lösung des Ost-West-Konflikts und die Freiheit in Osteuropa, wo er zahlreiche Ehrenbürgerwürden erhielt. Zeitweise war die Bezeichnung "Genscherismus" geradezu ein Synonym für einen über allen Anfechtungen hinweg unbeirrbaren und dennoch flexiblen außenpolitischen Kurs der Bundesrepublik mit dem Ziel, in Europa Frieden und Freiheit zu sichern.
Weitere Informationen gibt es unter www.genscher.de
Nach einigen Jahren Anwaltstätigkeit wurde er von Thomas Dehler als Mitarbeiter für die FDP-Bundestagsfraktion gewonnen. Von 1962 bis 1964 leitete er als Nachfolger von Karl Hermann Flach die FDP-Bundesgeschäftsstelle, ehe er 1965 selbst in den Bundestag gewählt wurde, dem er bis 1998 angehörte. 1968 wurde Genscher stellvertretender Bundesvorsitzender und ein Jahr später bei Beginn der sozial-liberalen Koalition Bundesinnenminister. In seine Amtszeit fielen einerseits die Bedrohung durch den Terrorismus und der Ausbau von Fahndungsapparat und -methoden sowie andererseits der Beginn des staatlichen Umweltschutzes.
Nach der Wahl von Walter Scheel zum Bundespräsidenten folgte ihm Genscher sowohl als Außenminister als auch als FDP-Vorsitzender. Außenpolitisch führte er die Entspannungspolitik seines Vorgängers fort und hielt daran auch nach der Wende von 1982 fest, trotz des Wechsels im Kanzleramt. Als FDP-Vorsitzender wird mit Genscher vor allem die Vorbereitung und Durchführung dieser Wende verbunden; erstmals wechselte die FDP unter seiner Führung mitten in der Legislaturperiode aus außenpolitischen (Nato-Doppelbeschluss) und wirtschaftspolitischen Gründen (zweite Ölpreiskrise) den Koalitionspartner und sorgte damit maßgeblich für den Wechsel an der Spitze der Regierung von Helmut Schmidt (SPD) zu Helmut Kohl (CDU).
Obwohl Genscher mit diesem Manöver zunächst erheblich an Prestige verlor (Rückgang der FDP bei den Bundestagswahlen 1983 um mehr als 3 Prozent im Vergleich zu 1980), erholte sich die Partei insbesondere aufgrund des außenpolitischen Kurses von Genscher danach wieder (2 Prozent Plus bei der Bundestagswahl 1987). Genscher wurde seit Mitte der 80er Jahre für lange Zeit zum populärsten deutschen Politiker. Vornehmlich sein Vertrauen in die Reformpolitik von Michael Gorbatschow sowie sein Bemühen um Ost-West-Entspannung bereiteten den Boden für die große weltpolitische Zäsur von 1989/90. Dies und sein entscheidendes Mitwirken am außenpolitischen Absichern der deutschen Wiedervereinigung (2 + 4 Vertrag 1990) bescherten der FDP, deren Vorsitz er bereits 1985 an Martin Bangemann abgegeben hatte, bei der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl 1990 das zweitbeste Ergebnis seit 1949, wobei in Halle der FDP-Kandidat ein Direktmandat gewann.
Nach seinem für viele überraschenden Rücktritt als Außenminister im Mai 1992 wurde Genscher mit der Verleihung des FDP-Ehrenvorsitzes geehrt. 1994/95 übernahm er eine Honorarprofessur im Fachbereich Politische Wissenschaften an der FU Berlin. Bereits seit 1998 beschäftigte sich Genscher mit der politischen und medienpolitischen Beratung, Information und Analyse in internationalen, europäischen und außenwirtschaftlichen Fragen und ist seit 2000 Geschäftsführender Gesellschafter der Hans-Dietrich Genscher Consult GmbH. 1999 nahm er seine anwaltliche Tätigkeit wieder auf. Von 2001 bis 2003 war er darüber hinaus Präsident der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik.
Mit seinem Namen verbinden sich in erster Linie große Verdienste um die Lösung des Ost-West-Konflikts und die Freiheit in Osteuropa, wo er zahlreiche Ehrenbürgerwürden erhielt. Zeitweise war die Bezeichnung "Genscherismus" geradezu ein Synonym für einen über allen Anfechtungen hinweg unbeirrbaren und dennoch flexiblen außenpolitischen Kurs der Bundesrepublik mit dem Ziel, in Europa Frieden und Freiheit zu sichern.
Weitere Informationen gibt es unter www.genscher.de



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