Wolfgang Mischnick
Nach Abitur und sechsjährigem Kriegseinsatz trat Wolfgang Mischnick 1945 in seiner Heimatstadt Dresden in die LDP(D) ein und wurde dort zum jugendpolitischen Sprecher. Als aufrechtem und nicht anpassungsbereitem Liberalen wurden ihm von den Kommunisten zunächst das angestrebte Studium und dann 1947 die Wahl zum stellvertretenden Landesvorsitzenden verwehrt. Mischnick floh daraufhin in den Westen, wo er 1950 hauptamtlicher Mitarbeiter der hessischen FDP wurde und sich seit 1954 in der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung sowie seit 1956 im Kreisverband Frankfurt engagierte.

Drei Jahre lang war Mischnick Vorsitzender der liberalen Jugendorganisation und Mitglied im hessischen Landtag, zuletzt als Parlamentarischer Geschäftsführer, ehe er 1957 in den Bundestag gewählt wurde und dort seit 1959 für zwei Jahre dieselbe Funktion einnahm. Dort profilierte er sich auch vor allem als sozialpolitischer Sprecher und übernahm nach der Wahl von 1961 für zwei Jahre das Bundesvertriebenministerium.

Die FDP wählte ihn 1964 zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden und 1968 zum Fraktionsvorsitzenden. Beide Funktionen übte Mischnick bis Ende der 80er Jahre bzw. bis 1991 aus. Damit wies er die bisher längste Amtszeit unter allen bisherigen Vorsitzenden einer Bundestagsfraktion auf. Danach wurde er zum Ehrenvorsitzenden der Partei ernannt. Als Fraktionsvorsitzender war er zunächst gemeinsam mit Herbert Wehner ein Garant für das reibungslose parlamentarische Funktionieren der sozial-liberalen Koalition, dann des Koalitionswechsels im Zuge der Wende von 1982/83. Nach der Wiedervereinigung konnte sich Mischnick einen lang gehegten Wunsch erfüllen und seine Heimatstadt Dresden im Bundestag vertreten.

Neben seiner parlamentarischen Tätigkeit leitete er von 1987 bis 1995 die Friedrich-Naumann-Stiftung. Heute noch wird Mischnick als Beispiel für einen beharrlichen und wenig auffälligen, aber dennoch wirkungsvollen Parlamentarier angesehen, der eigene Ambitionen politischen Zielen seiner Partei unterordnete, zugleich aber auch politische Ziele wie die deutsche Einheit über Jahrzehnte ohne Resignation verfolgte.

Weitere Informationen gibt es unter www.wolfgang-mischnick.net

- Zum Regierungswechsel (1982)