Thomas Dehler
Thomas Dehler wurde im fränkischen Lichtenfels geboren und ließ sich nach dem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Würzburg, Freiburg und München Mitte der zwanziger Jahre in Bamberg als Anwalt nieder. Bereits als Student engagierte er sich in liberalen Organisationen. Er trat in die DDP (seit 1930 Deutsche Staatspartei) ein und leitete über mehrere Jahre den dortigen Kreisverband.

In der Zeit des Nationalsozialismus zeichnete sich Dehler durch ein hohes Maß an Zivilcourage – u. a. vertrat er Juden vor Gericht – und durch aktive Mitarbeit in einer Widerstandsgruppe aus. Nach dem Krieg wurde er Mitbegründer der bayerischen FDP, deren Landesverband er von 1946 bis 1956 vorstand. Wie bereits zuvor im bayerischen Landtag beschäftigte er sich auch als liberaler Vertreter im Parlamentarischen Rat intensiv mit Verfassungsfragen. Als eines von drei Mitgliedern des Redaktionsausschusses erwarb er sich große Verdienste bei der Formulierung des Grundgesetzes.

In das erste Kabinett Adenauer wurde Dehler als Justizminister berufen und widmete sich in dieser Funktion vor allem dem Aufbau eines demokratischen Justizapparates. Nicht zuletzt aufgrund des Widerstandes seiner Parteifreunde Heuss und Höpker Aschoff verlor Dehler 1953 sein Ministeramt; statt dessen wählten ihn Bundestagsfraktion und Bundespartei der FDP jeweils zu ihrem Vorsitzenden, mit dem Ziel, der Partei ein schärferes Profil gegenüber dem allmächtig erscheinenden Kanzler zu verschaffen. Dies zog zwangsläufig Konflikte mit Adenauer, u. a. im Wahlrecht und in der Saarfrage, nach sich, die schließlich im Jahre 1956 zum Bruch der Koalition und zur Neubestimmung des FDP-Kurses als "Dritte Kraft" führten.

Eher ungern gab Dehler 1957 den Parteivorsitz an Maier ab, blieb aber weiterhin ein scharfer Kritiker von Adenauers Politik. Insbesondere in der Deutschlandpolitik suchte er nach neuen Wegen zur Wiedervereinigung, die seines Erachtens über die Sowjet-Union führen mussten. 1960 zum Bundestagsvizepräsident gewählt, nutzte Dehler diese Position in seinen letzten Lebensjahren als ständiger Mahner für liberale Grundsätze in der Rechts- und Gesellschaftspolitik.

Dehlers großer Verdienst um den deutschen Liberalismus liegt darin, dass die FDP unter seiner Führung das große Parteiensterben Mitte der 50er Jahre als einzige der kleineren Parteien überlebte. Als Deutschlandpolitiker entwickelte er Ansätze zum Überdenken der traditionellen Positionen, die dann schließlich in die neue Ostpolitik Ende der sechziger Jahre mündeten. Nach diesem großen Liberalen wurden sowohl die liberale Landesstiftung in Bayern als auch die Parteizentrale der Bundes-FDP benannt.

- Auftrag und Verantwortung der freien Demokratie
             (1954)

- Bundestagsrede gegen die Todesstrafe (1952)
- Freiheit und Wettbewerb (1959)
- Zur großen Koalition (1966)