Franz Blücher
In seiner Vaterstadt Essen legte Franz Blücher 1914 das Abitur ab und schlug nach der Teilnahme am Ersten Weltkrieg eine kaufmännische Laufbahn ein, bei der er es bis zum Direktor einer Privatbank brachte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete er die FDP in Essen, war kurzzeitig nordrhein-westfälischer Finanzminister und Mitglied im Frankfurter Wirtschaftsrat. Hier hatte Blücher entscheidenden Anteil an den Weichenstellungen in Richtung Marktwirtschaft. Dadurch und durch den Vorsitz beim FDP-Verband für die britische Zone war Blücher einer der einflussreichsten Männer im Entstehungsprozess der liberalen Partei. Folgerichtig wurde er auf dem Heppenheimer Gründungsparteitag zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden gewählt und folgte Theodor Heuss nach dessen Wahl zum Bundespräsidenten als FDP-Vorsitzender.

Im ersten Kabinett Adenauer übernahm er den Posten des Ministers für den Marshallplan und wurde zuständig für den Wiederaufbau. Obwohl er damit Erfolg hatte, konnte Blücher sich neben Adenauer und Erhard nur wenig profilieren, weshalb ihm das relativ schlechte Abschneiden der FDP bei der Bundestagswahl 1953 zur Last gelegt wurde und er den Vorsitz an Thomas Dehler abgeben musste.

Weiterhin im Kabinett setzte Blücher auf eine enge Zusammenarbeit mit Adenauer und entfremdete sich damit allmählich von seiner Partei. Nach dem Bruch der christlich-liberalen Koalition 1956 verließ er zusammen mit den anderen liberalen Ministern und etlichen Abgeordneten die FDP, um kurz darauf die wenig erfolgreiche Freie Volkspartei zu gründen, die später mit der Deutschen Partei fusionierte und schließlich in der CDU aufging. 1957 schied Blücher aus dem Kabinett und aus dem Bundestag aus.