Theodor Heuss (Foto: Schafgans DGPh, Bonn)
Seine nordwürttembergische Herkunft (Brackenheim) sowie die Revolution von 1848, an der seine Vorfahren aktiv teilgenommen hatten, prägten Heuss zeit seines Lebens. Hinzu kam der Einfluss Friedrich Naumanns, zu dessen Kreis Heuss nach dem Abitur 1902 stieß und der ihn für die Parteipolitik im linksliberalen Sinne gewann.

Mit einer wirtschaftsgeschichtlichen Arbeit über den Weinbau in seiner Heimat bei dem renommierten L. Brentano promoviert, wurde Heuss in Berlin und Heilbronn Naumanns engster Mitarbeiter. Auch seine Frau Elly Knapp lernte er über Naumann kennen. Mit diesem wechselte er 1918 zur DDP (Deutschen Demokratischen Partei). Nach Naumanns Tod (1919) führte er dessen Werk in der Erwachsenenbildung an der Berliner "Hochschule für Politik" und in Naumanns Zeitschrift "Die Hilfe" fort.

Von 1924 bis 1928 und 1930 bis 1933 saß Heuss für die Deutsche Demokratische Partei (DDP) im Reichstag, wo er sich vor allem um kulturelle Fragen kümmerte. Obwohl er sich intensiv mit dem Nationalsozialismus beschäftigt hatte, u. a. in dem Buch "Hitlers Weg" (1932), stimmte er als Reichstagsabgeordneter im März 1933 trotz schwerer Bedenken dem sog. "Ermächtigungsgesetz" zu, was aber nicht verhinderte, dass Heuss sowohl sein Reichstagsmandat als auch seine Lehrtätigkeit und später auch die Erlaubnis zu publizieren verlor. Dennoch galt Heuss, nicht zuletzt aufgrund seiner Verbindungen zu Widerstandskreisen, 1945 als unbelastet, so dass ihn die Amerikaner 1945 als Kultusminister von Württemberg-Baden unter dem Ministerpräsidenten Reinhold Maier einsetzten.

Zusammen mit Maier war er auch Begründer der württembergischen FDP, die er ab 1946 im Landtag vertrat. Im selben Jahr wurde er Vorsitzender der Liberalen in der amerikanischen Zone und ein Jahr später gemeinsam mit Wilhelm Külz Vorsitzender der gesamtdeutschen "Demokratischen Partei Deutschlands", die aber bereits Anfang 1948 wegen der Repression gegen die LDP(D) in der sowjetischen Besatzungszone wieder aufgelöst wurde. Statt dessen trat Heuss Ende 1948 an die Spitze des Zusammenschlusses der Westliberalen und wurde dadurch erster Vorsitzender der FDP. Gleichzeitig engagierte er sich für die Liberalen im Parlamentarischen Rat und hatte so ebenso wie Thomas Dehler großen Anteil an der Entstehung des Grundgesetzes.

Bei Gründung der Bundesrepublik 1949 wurde Heuss als Kandidat der bürgerlichen Koalition unter Adenauer zum ersten Bundespräsidenten gewählt. Hier sah er seine Aufgabe vornehmlich in der Ausbildung einer bürgerlich-demokratischen politischen Kultur, deren Entstehung er vor allem durch zahlreiche Reden förderte. Als einer der ersten sorgte Heuss für eine politische Neubewertung des Widerstandes gegen Hitler, insbesondere der Akteure des 20. Juli 1944. Ebenso suchte er eine Höherbewertung der liberalen und demokratischen Tradition in Deutschland. Dazu sollte auch die Friedrich-Naumann-Stiftung dienen, die auf Initiative von Heuss 1958 ins Leben gerufen wurde.

Sein überparteiliches Verständnis von der Rolle des Staatsoberhauptes hinderte Heuss aber nicht daran, sich mitunter auch bei parteipolitischen Fragen einzumischen. Insbesondere wandte er sich gegen den politischen Kurs von Thomas Dehler . Nach dem Ausscheiden aus seinem Amt stellte sich Heuss dennoch demonstrativ hinter die FDP, ohne sich allerdings dort noch einmal aktiv zu engagieren.

Nach seinem Tod wurde zur Erinnerung an sein Wirken u. a. von Hildegard Hamm-Brücher der Theodor-Heuss-Preis gestiftet (1963), die erste Bildungsstätte der Friedrich-Naumann-Stiftung nach ihm benannt (1967) sowie in seinem Altersruhesitz in Stuttgart eine Gedenk- und Forschungsstätte eingerichtet (1996). Neben Konrad Adenauer wird Heuss heute als der eigentliche Gründungsvater der Bundesrepublik angesehen, wobei seine Verdienste vor allem der neuen politischen Kultur zugute kamen.

- Antrittsrede als Bundespräsident (1949)