Umverteilung ist jede Änderung marktgenerierter Einkommens- und Vermögensverteilung durch Politik. Die Instrumente sind zahlreich - nein zahllos: von simplen Transfers über Subventionen aller Art, Steuerprogression und Steuerausnahmebedingungen, politische Eingriffe in Sozial"versicherungen" und mannigfaltigste Protektorismen bis hin zu allen regulierenden Eingriffen in Vertragsfreiheit und Marktgeschehen, ob diese nun den Ladenschluss, "Entsenderichtlinien" oder das Tarifvertragsrecht betreffen. Gesamtzahl der Umverteilungstatbestände: Tausende; Transparenz: Null; Nettoeffekt: unbekannt und kaum zu ermitteln.
Nur hoffnungslos Naive glauben, dass Umverteilung immer von den Besser- zu den Minderbemittelten erfolge; der Realität entspricht viel eher das Bild des ungehemmten Catch-as-catch-can, in dem jeder über die Politik zu holen versucht, was er am Markt nicht (oder nur mit größerem Aufwand ) bekommt. Ausschlaggebend ist nicht Bedürftigkeit, sondern Lobby-Stärke.
Dabei gibt es bei Licht besehen nur zwei wirklich legitime Umverteilungsgründe:
(1) Umverteilung wegen Menschenwürde, das heißt, Hilfe für die wirklich Bedürftigen, die zu einem selbstverantwortetem Leben nicht aus eigener Kraft imstande sind, und
(2) Umverteilung wegen Chancengleichheit, das heißt, dass die Chance aller, die ihrer Befähigung und Leistung entsprechende Stellung in der Gesellschaft zu erreichen, nicht aus materiellen Gründen irreal bleiben darf - oder anders ausgedrückt: Umverteilung zugunsten von Bildungschancen.
Was darüber ist, ist von Übel.
Gerhart Raichle


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